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Rodrigo De Oliveira Souza

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Rordrigo De Oliveira Souza wurde 1986 geboren. Er wohnt mit seiner Frau und seinen zwei Kindern in Bern. Er kommt aus Brasilien und absolvierte eine zweijährige Lehre als Zimmermann (EBA), welche er im Sommer 2019 erfolgreich abschloss. 

 

 

Berichte

Vom Kampfsport zur Holzverarbeitung

Juli

2017

Ich bin 31 Jahre alt, warum fange ich jetzt noch eine Lehre als Zimmermann an? Schon als Bub wollte ich mit Holz arbeiten, auch mein Vater arbeitete auf dem Bau, aber eine entsprechende Ausbildung konnte meine Familie nicht bezahlen. Ich musste mit 13 Jahren anfangen, zu arbeiten, Geld verdienen. Deswegen habe ich die Schule abgebrochen und meiner Mutter geholfen, vier Kinder grosszuziehen.

 

Mit 17 Jahren habe ich mit Kampfsport angefangen und verdiente damit später als Profi bei Wettkämpfen mein Geld. Dieses Geld war sowohl für meine Familie wie auch für meine Matura, die ich mit 22 Jahren noch nachgeholt habe. Im Jahre 2014 habe ich meine Frau kennengelernt, eine Bernerin. Kurz darauf bin ich in die Schweiz gezogen.

 

Im Januar 2016 hat mich ein Bekannter auf das Projekt 2. Chance aufmerksam gemacht, was mich wieder mit dem Gedanken spielen liess, doch noch eine Lehre zu beginnen und mit Holz zu arbeiten. Nach der Aufnahme ins Projekt suchte ich im Internet nach Lehrstellen bei Holzbetrieben. Den besten Eindruck hatte ich von Beer Holzbau AG, wo ich mich um eine Schnupperlehre bewarb. Es war der erste Betrieb, den ich angeschrieben habe und sie haben mich gleich für eine Schnupperwoche eingeladen. Was für ein Glück. Das Team, der Betrieb, die ganze Woche haben mir sehr gefallen. 

 

Danach musste ich eine offizielle Bewerbung schreiben, bevor ich im November, nach einem weiteren Gespräch, die definitive Zusage erhalten habe. Wir haben vereinbart, dass ich schon ab März 2017 als Praktikant in den Betrieb einsteigen kann. Dadurch konnte ich das Unternehmen, meine Arbeitskollegen sowie die Aufgaben bereits frühzeitig kennenlernen. Zusätzlich besuchte ich bis im Juni einen Vorkurs für Holzarbeiter. Wir haben dann entschieden, dass ich vorerst mit der EBA-Ausbildung beginne, bevor ich den eidgenössischen Fachausweis als Zimmermann anschliesse.

 

Bald erzähle ich mehr, wie das Abenteuer weitergegangen ist.

 

Liebe Grüsse

Rodrigo

Nervös? Ganz normal.

August

2017

Viele sind an ihrem ersten Arbeitstag nervös. Ich nicht, da ich den Betrieb bereits kannte. Ich arbeite schon seit fünf Monaten als Praktikant in diesem Betrieb. In dieser Zeit hatte ich die Möglichkeit, die Maschinen, die Arbeitsabläufe und meine Arbeitskollegen kennenzulernen. 

 

Aber am Anfang des Praktikums war es schwierig, weil ich vieles nicht verstand, zum Beispiel, wie gewisse Werkzeuge heissen. Heute weiss ich, was ein Schlitzschraubenzieher ist und was ein Achtkantschlüssel. Heute kann ich mit Stolz sagen, dass ich weiss, wie man Holzelemente zusammenbaut. Meine Sprachkenntnisse und Werkzeugkenntnisse werden von Tag zu Tag besser. Und ich bin sehr dankbar, dass auch meine Kollegen mir mit viel Geduld erklären, wie gewisse Dinge funktionieren und mir bei Fragen helfen.

 

Heute, 16. August 2017, hatte ich meinen ersten Schultag in der Berufsschule Burgdorf. Dieser Anfang machte mich sehr nervös, weil ich nicht wusste, was auf mich zukommt. Werde ich alles verstehen, was sie mir erzählen? Im Zug nach Burgdorf traf ich eine Bekannte, der ich von meiner Nervosität erzählte. Sie beruhigte mich mit den Worten „das sei ganz normal“. Und schlussendlich hatte ich einen tollen Tag, bei dem ich meine neuen Klassenkameraden sowie die Lehrpersonen kennenlernte.

 

Ich freue mich darauf, euch bald über meine nächsten Erfahrungen zu berichten.

Ich bin glücklich!

Februar

2019

Schon ist es ein Jahr her seit ich mein EBA zum Zimmermann begann. Eigentlich ist das ja noch nicht so lange, aber ich habe das Gefühl, als hätte ich schon immer mit Holz gearbeitet. Ich liebe die verschiedenen Arbeiten. Was aus Holz alles kreiert werden kann ist unglaublich. Ich kenne mich mittlerweile mit den Maschinen und Werkzeugen sehr gut aus. Meine Tage sind abwechslungsreich. Ich finde es toll, dass wir an unterschiedlichen Orten arbeiten. Ich bin jeweils für eine bestimmte Dauer, einem bestimmten Projekt zugeteilt. Im Moment arbeite ich auf einer Baustelle, die Arbeit auf Baustellen gefällt mir am meisten. Es ist schön, draussen zu arbeiten. Zu Beginn des Tages haben wir jeweils eine kurze Sitzung, da wird kurz Rücksprache über Änderungen oder sonstiges gehalten.

 

Ich bin wirklich dankbar, dass ich die Chance erhalten habe, meinen Traumberuf zu erlernen. Ja sicher, es gibt auch Momente, in denen ich etwas frustriert bin darüber, dass der Abschluss Zimmermann EFZ noch so weit weg ist. Das passiert meistens aber nur dann, wenn ich etwas müde bin. Manchmal sind unsere Tage sehr lang und streng. Ich beginne morgens um 7 Uhr und wenn ich nach Feierabend noch etwas für die Schule machen muss, ist das schon auch anstrengend. Aber wenn ich Zuhause ankomme und mein Sohn mich mit einem Lachen begrüsst, ist alles vergessen und ich bin einfach nur glücklich. Meine Familie bedeutet mir alles, ich kann in Worten nicht ausdrücken, wie dankbar ich für ihre Unterstützung bin. Meine Frau und auch meine Schwiegereltern sind wirklich unglaublich toll.

 

Auch mein Arbeitgeber, die Beer Holzbau AG ist ein Glücksgriff gewesen. Das Familienunternehmen beschäftigt etwa 60 Mitarbeiter. Die anderen Mitarbeiter haben mich sehr freundlich aufgenommen. Ich mag den freundschaftlichen Umgang, den wir untereinander pflegen. Man hilft sich gegenseitig und auch meine Vorgesetzten sind freundlich und hilfsbereit. Wir werden gefördert und auch unsere Kreativität wird geschätzt. Gerade hat an der Swiss Skills, ein angehender Zimmermann unserer Firma, den ersten Platz belegt. Ich freu mich sehr für ihn. Er ist wirklich talentiert.

 

Ich werde euch auf dem Laufenden halten, was bei mir so geschieht.

 

Rodrigo

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