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Rodrigue Tokognon

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Rodrigue Tokognon wurde im Jahre 1978 in Togo geboren und besuchte dort die Grundschule und die Sekundarschule. Danach hat er eine fünfjährige Ausbildung zum Hardware- und Softwareinformatiker absolviert und auch zwei Jahre auf dem Beruf gearbeitet, bevor er in die Schweiz kam.

Rodrigue Tokognon absolviert seit August 2017 eine kaufmännische Lehre nach Art. 32 BBV.

 

 

Berichte

Ohne anerkannte Aubildung ist es schwierig, einen Job zu finden

August

2017

Im Jahre 2005 kam ich in die Schweiz. Als erstes wollte ich Deutsch lernen, also ging ich ein Jahr lang jede Woche in den Deutschunterricht. Danach habe ich weitere Weiterbildungen besucht, etwa einen Kurs als Sachbearbeiter „Administration, Supporter Réseau“ bei der Migros-Klubschule. Und an der Schule für Gestaltung Bern und Biel habe ich den Grundkurs „Audiovisuelles Gestalten mit Video“ besucht und abgeschlossen. Vieles habe ich mir als Autodidakt auch selbst beigebracht.

 

Aber ich habe nicht nur gelernt, sondern auch gelehrt, unter anderem einen Computerkurs aufgebaut und gegeben. Auch habe ich verschiedene Dokumentarfilme gedreht, z. B. die Filme „CheReMio“ und „Die Kulisse meines Lebens“, der auf dem „Shnit International Shortfilmfestival Bern“ gezeigt wurde. Ich habe auch verschiedene Lern- und Webfilme produziert.

 

Ich arbeite jetzt in der Administration, da meine Informatikausbildung hierzulande nicht anerkannt wird. In der Schweiz ist es schwierig, ohne Diplom einen Job zu finden. Aber ich denke mir: Es ist nicht aller Tage Abend und ich bin trotzdem zufrieden mit meiner Arbeit, weil die Situationen am Arbeitsplatz jeden Tag etwas anders ist. Ich arbeite mit Menschen, die gute und auch schlechte Perspektiven in der Schweiz haben. Und die ebenfalls einen Weg finden müssen.

 

Ich bin Ausländer in der Schweiz; es ist wichtig für mich, eine beruflich fundierte Grundausbildung zu haben. Jetzt hat mir die Stanley Thomas Johnson Stiftung eine Chance gegeben, im Rahmen des Pilotprojektes „2. Chance auf eine 1. Ausbildung“ eine Ausbildung nachzuholen.

 

Ich habe mich für eine kaufmännische Ausbildung entschieden. Warum kaufmännisch? Warum nicht Informatik? Ja, es wäre einfacher für mich in der Informatik, aber ich habe dort keine Stelle gefunden. Es ist als Erwachsener nur möglich, eine Ausbildung zu absolvieren, wenn man in diesem Bereich mindestens 5 Jahre lang gearbeitet hat und die entsprechende Berufserfahrung mitbringt.

 

Meine kaufmännische Ausbildung beginnt voraussichtlich im August 2017. Ich bin sehr gespannt und ich weiss nicht, was auf mich zukommt. Ich werde Euch gerne weiter berichten.

Im Neuen liegt immer eine Chance

Dezember

2019

Diesen Satz hörte ich vor einigen Tagen in einer Fernsehwerbung. Dabei war ein älterer Mann zu sehen, der in seiner neuen Wohnung tanzte, schliesslich hinausging und auf einen jungen Mann stiess, mit dem er dann fröhlich weitertanzte.  Eine neue Wohnung in einer neuen Umgebung kann zu einer neuen Begegnung führen – egal wie alt wir sind und ganz gleich, wo wir uns befinden. Ich weiss, nicht alle trauen dem Neuen. So verpasst man deshalb manchmal auch die Chance, Neues auszuprobieren und vom Neuen zu profitieren. In diesem Falle meine ich die Ausbildung.

 

Auch die Lehrer empfehlen: wiederholen, wiederholen, wiederholen. Auch wenn ich in einem Gebiet gut im Bild bin, hilft Wiederholen, sodass ich die genügende Geschwindigkeit meiner Problemlösung an den Tag legen kann.

 

Bei der Arbeit in einem Lehrbetrieb spielt es eine Rolle, ob man eine Erstausbildung mache, oder eine Nachholbildung nach Art. 32 BBV.  Im Falle eine Erstausbildung ist es «normal», dass die übrigen Leute im Betrieb einen als «Lehrling» oder als «Auszubildender» wahrnehmen. Aber im anderen Fall sollten wir uns wehren, zum «Stift» abgestempelt zu werden, denn hier ist es ja jemand, der schon als Profi im Einsatz ist.

 

Ein, zwei oder drei Jahre sitzen wir im gemeinsamen Boot. Wir sind alle in der Ausbildung. Es ist eine Herausforderung, wenn man nicht mehr jung ist. Es ist nicht einfach, ich weiss, am Anfang war es für uns alle schwierig, sogar sehr schwierig. Ein Sprichwort sagt: „Aller Anfang ist schwer“. Dennoch: „Im Neuen liegt eine Chance“. Diese Worte ermutigen enorm, Neues zu wagen, auszuprobieren, vielleicht auch mal Dinge zu verwerfen und neue Erkenntnisse zu gewinnen. „Lebendig sein“ heisst, unterwegs zu sein und zu bleiben. Das Ziel kommt später. Der Prozess des Neuen ist das Wichtigste.

 

Ein Sprichwort sagt: „Wenn eine Tür sich schliesst, geht eine andere auf“. Es braucht Entschlossenheit, dem Neuen zu vertrauen, ohne sich für alle Zeiten versichern zu können. Ja, es ist schwierig für uns, denn wir sind gewöhnt, alles zu unserem Vorteil zu sehen und alles zu versichern. Deshalb hatten alle Reformen schon immer so viel Gegenwind. Lassen wir uns weiterhin vom Wind des Neuen tragen. Egal wie alt wir sind und woher wir kommen.

 

Für Prüfungen lohnt es sich, früh genug mit der Vorbereitung zu beginnen. Als Beispiel kann die Lösung von Serienprüfungen genommen werden. Das hilft mir, um zu erkennen, wo ich noch Lücken habe. Zum Schliessen erkannter Lücken muss ich (ebenfalls rechtzeitig) Hilfe holen. Wenn bei einer mündlichen Prüfung etwas schief geht, muss ich mental vorbereitet sein, sofort korrigierend einzuschreiten (Metakommunikation), oder im Anschluss an den antizipierten Prüfungsmisserfolg eine Beschwerde innert kurzer Zeit (wenn der/die Expert/in und der/die Kandidat/in sich noch an die Details erinnern) schreiben. So können wir alle unser Ziel erreichen. Denn: „Im Neuen liegt immer eine Chance“.

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