Diesen Sommer haben sechs Teilnehmende des Erwachsenenbildungsprogramms «2. Chance auf eine 1. Ausbildung» ihre erste Ausbildung abgeschlossen. Die neuen Fachpersonen stiessen gemeinsam mit den Programmverantwortlichen auf ihren beeindruckenden Erfolg an.
Eine Erstausbildung im Programm «2. Chance auf eine 1. Ausbildung» nachzuholen, dauert für eine erwachsene Person durchschnittlich vier Jahre. Bevor sie mit der eigentlichen Ausbildung starten kann, muss sie einen mehrstufigen Bewerbungsprozess durchlaufen, zusammen mit den BIZ-Beratenden mögliche Karrierewege erarbeiten, allenfalls vorbereitende Kurse besuchen und eine Lehrstelle finden. Allein der Weg bis zum Start der Ausbildung ist mit einem erheblichen Aufwand verbunden. Und das Engagement endet nicht mit dem Ausbildungsstart: Zwar werden die Lebenshaltungskosten während der Ausbildung durch das Programm gedeckt und sie erhält Unterstützung durch Coaches. Dass sie Familie, Beruf und Ausbildung unter einen Hut bringt, muss sie aber selbst schaffen. Kurz: Es braucht viel Mut und Durchhaltewillen, eine erste Ausbildung im Erwachsenenalter nachzuholen.
Qualifizierte Berufsleute für den Schweizer Arbeitsmarkt
Umso beeindruckender ist die Leistung der sechs Teilnehmenden, die ihre Ausbildungen dieses Jahr erfolgreich abgeschlossen haben: Seit diesem Sommer zählt die Schweizer Arbeitswelt sechs neue Fachpersonen: eine Kauffrau EFZ, eine Elektronikerin EFZ, einen Logistiker EBA, einen Montage-Elektriker EFZ, einen Polymechaniker EFZ sowie einen Printmedienpraktiker EBA. Auf diesen Erfolg haben die Teilnehmenden zusammen mit den Programmverantwortlichen im Berner Lorenzini angestossen. Der Jobcoach Urs Gretener hat neben lobenden Worten auch einen roten Faden verteilt. Alle Anwesenden hielten einen Teil davon in den Händen. Entstanden ist ein sichtbares Netzwerk, das alle auch weiterhin miteinander verbinden soll.
Viel gelernt, auch über die Ausbildung hinaus
Die Teilnehmenden haben während des Abends ihre Erfahrungen aus den Ausbildungsjahren geteilt: Tareq Ahmed hat 2025 wegen 0,1 Notenpunkten seine Prüfung nicht bestanden. Dieses Jahr konnte er die Abschlussprüfung wiederholen und seine Ausbildung zum Montage-Elektriker EFZ abschliessen. Was er gelernt hat? «Wenn etwas Schlechtes passiert, sollte man keine Panik bekommen. Ich habe durch meinen Rückschlag gelernt, dass ich ruhig bleiben und nach einer Lösung suchen muss. Und die gibt es meistens.» Eine andere Teilnehmerin qualifizierte sich bereits im 2019 für das Programm. Kurz nach ihrem Einstieg wurde sie schwanger und entschied sich, ihre Teilnahme vorerst zu beenden. Einige Jahre später meldete sie sich erneut an, diesmal mit dem Ziel, die Ausbildung zur Elektronikerin EFZ zu absolvieren. Ihr beruflicher Werdegang hat damit zwar länger gedauert als ursprünglich geplant, zeigt aber: Nicht immer führt der direkte Weg zum Ziel.
Nach der Ausbildung geht es weiter
Die berufliche Zukunft der diesjährigen Programm-Absolventen und -Absolventinnen sieht gut aus: Fast alle Erwachsenen konnten entweder beim Lehrbetrieb weiterarbeiten oder haben innert kurzer Zeit eine neue Stelle gefunden. Und das zeigt einmal mehr, dass ein Berufsabschluss auf dem Schweizer Arbeitsmarkt viel wert ist, die Stellensuche erleichtert und die Chance auf bessere Anstellungsbedingungen erhöht. Einer der Erwachsenen wurde kurz nach dem Abschluss sogar zum Abteilungsleiter befördert und führt jetzt ein Team mit acht Personen. Zwei weitere Programm-Teilnehmende wollen nach ihrer EBA-Lehre nun noch den EFZ-Abschluss nachholen und werden weiterhin durch das Programm unterstützt.
Was eine erste Ausbildung wirklich bringt, lesen Sie im Abschlussbericht des Programms.