Geschafft!

Teilnehmerberichte
Geschafft!
Geschafft!
Bildschirmfoto 2020 12 17 um 11.08.50

Geschafft!

Woooow habe meinen letzten Blog durchgelesen……jaja, das einzige beständige ist der Wandel.

Nun, gehen wir zurück: Am besten fange ich bei den Prüfungen an.

Wir hatten zwei praktische Prüfungen, eine in der Reinigung, eine in der Wäscherei. Ich war die Ruhe selbst, bis am Abend vor der Prüfung, da ist der Schalter umgekippt, ich war wie ein Schatten meiner selbst, der Inhalt meines Gehirns und meiner Emotionen waren von stiller Panik besetzt und liessen nur noch die wichtigsten Funktionen zu, wie Schlaf, Hygiene und Fortbewegung.

Die Prüfungen selbst habe ich automatisch absolviert, meine Denkfähigkeit war stark eingeschränkt und ich habe einen Fehler nach dem anderen produziert. Später habe ich mit meiner Berufsbildnerin herausgefunden, dass ich eine ausgeprägte Prüfungsangst habe. Schaut, dass ihr dem so früh wie möglich auf die Spur kommt, und arbeitet daran!

In der Nacht nach der Prüfung habe alle meine Fehler durchgekaut, und war überzeugt, versagt zu haben.

Damit habe ich aber eine wichtige Lektion für das Leben gelernt, nämlich: An der Situation kann ich gar nichts mehr ändern, das Wetter ist wunderbar draussen, ich bin ein bisschen verliebt, und das leben ist trotz Corona gut…geniesse es….!  Es ist mir ziemlich gut gelungen, meine Energie nicht zu verschwenden für etwas, das ich nicht mehr kontrollieren kann.

Der Brief mit dem Prüfungsresultat ist vielleicht zwei Wochen später per Post angekommen. Mit zitterigen Fingern habe ich ihn in  aufgemacht, nachdem ich mit dem letzten Zug nach Hause gekommen bin: BESTANDEN ist dort gestanden. Ich bin vor lauter Freude in der ganzen Wohnung herumgesprungen und habe gesungen und alle darüber informiert. Dies ist eine der grössten Erleichterungen meines Lebens.

Die nächste Lektion habe ich kurz darauf gelernt: Ich habe ja gemeint, dass ich im Rüttihubelbad bleiben kann, doch ich habe die Rechnung ohne Corona gemacht. Weil meine Stellenprozente nicht mehr besetzt werden durften, hiess es für mich, dass ich mir eine neue Stelle suchen muss. Das war hart, und natürlich habe ich das verstanden, doch die  Enttäuschung und die Wut war gross, bis ich auf die Idee gekommen bin, meinen Verstand dazu zu bringen, sich auf die neue Situation zu freuen, was meine Emotionen dann auch befolgt haben. Es ist also möglich, mit dem Verstand die Emotionen zu steuern.

Mit dem Fähikeitsausweis ist es viel einfacher eine neue Stelle zu finden. Ich habe für sieben Bewerbungen fünf Vorstellungsgespräche ergattert und bin jetzt glücklich im Solina Spiez, dort wo ich unbedingt hinwollte. Die Arbeit im Rüttihubelbad war anspruchsvoller als ich gedacht habe, dort war ich selbstbewusst, habe alle Menschen und Bedingungen gekannt. Im Solina war ich neu, doch bin ich dort von Beginn an gut aufgenommen worden und habe mich schnell eingelebt. Doch es ist eine ganz andere Welt dort, alles ist viel grösser, andere Tättigkeiten, andere Menschen und neue ungeschriebene Regeln.

Nachträglich bin ich froh, konnte ich nicht im Rüttihubelbad bleiben. Denn  nach der Lehre zu wechseln, ist ein wichtiger Schritt für meine eigene Entwicklung. An einem neuen Ort eine neue Verantwortung zu übernehmen, macht mir bewusst, dass die Lehre nun zu Ende ist. Nach der Lehre beginnt die richtige Lehre heisst es ja so schön.

Ich hatte Angst, dass ich in ein Loch falle, wenn die alles vorbei ist, doch das Gegenteil ist der Fall. Es freut mich sehr, dass ich jetzt so viel Platz und Zeit habe, um die Wohnung um zu stylen, Beziehungen zu pflegen, mich mit Stoizismus zu beschäftigen und...

So, liebe Leute das war's von mir! Eine Lehre zu machen, lohnt sich in jedem Falle! Bleibt dran, ehrt das Leben und lasst euch nicht unterkriegen!

 

Unbenannt v14

Etha Varone

Etha Varone wurde 1979 geboren. Sie hat im August 2017 eine Lehre als Fachfrau Hauswirtschaft begonnen, welche Sie im Sommer 2020 mit Erfolg abgeschlossen hat. Nach dem Projekt «2. Chance auf eine 1. Ausbildung» hat sie sich dazu entschlossen, eine Weiterbildung Bereichsleiterin Hotellerie und Hauswirtschaft zu machen und führt heute ein als Führungsverantwortliche ein Hauswirtschaftsteam im Pflegeheim Solina.